Auf den steinigen Pisten Zambias

Nachdem ich in Lilongwe noch einmal sämtliche Vorräte aufgefüllt habe, geht’s noch gleichentags auf einer perfekten Teerstrasse Richtung zambische Grenze. Ich fühle mich gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe und musste vor der Abfahrt aus der malawischen Hauptstadt fluchtartig den Thron aufsuchen. Bekomme ich nun den ersten Durchfall auf dieser Reise? Während ich diese Gedanken spinne, erreiche ich die Grenze. Der Übertritt ist einer der einfacheren auf dieser Reise. Nicht einmal eine Stunde benötige ich dafür. Zum Glück ist der Gesundheitsbeamte gerade in der Mittagspause. Seit der Ebola-Epidemie in Westafrika klären nämlich die meisten afrikanischen Länder die Bevölkerung mit Plakatkampagnen auf und führen vorbildlich Fiebermessungen an den Grenzen durch, um zu verhindern, dass Ebola ins Land eingeschleppt wird. Und genau diese Fiebermessung wäre mir wohl zum Verhängnis geworden, hat doch meine Magenverstimmung meine Körpertemperatur etwas ansteigen lassen. Gerade nochmal gut gegangen, denn auf Quarantäne habe ich keine Lust.

Chipata, heisst die Grenzstadt in Zambia und ist eigentlich nichts weiter als ein Provinznest. Und trotzdem gibt’s auch hier wieder einen grossen Shoprite und einen Spar. Die Versorgung wird mit der Nähe zu Südafrika immer besser, gute Supermärkte gibt’s in kürzeren Abständen und ich muss mich langsam davon lösen, bei jeder guten Gelegenheit für die nächsten drei Wochen Hamstereinkäufe zu tätigen. Die nächsten Stunden gehen mit dem üblichen Prozedere bei der Einreise in ein neues Land vor sich: Bargeld abheben, Simkarte organisieren und laden, Internetpackage buchen und hier in Zambia, wo der Sprit wieder billig ist: Tanken.

Dann ist Schluss für heute und ich bin geschafft. Bei der Ankunft im Camp gehts mir nicht mehr so richtig gut. Durchfall, Erbrechen und über 39 Grad Fieber. Genau dieselben Symptome, welche ich bei meiner ersten Malaria vor vielen Jahren hatte. Nach einer paracetamolhaltigen Nacht geht’s mir zwar am nächsten Morgen viel besser, aber ich begebe mich trotzdem in die lokale Klinik. Zum Malariatest. Die Laboranalyse kostet mich CHF 1.50 und nach 15 Minuten ist das Resultat da: Keine Malaria, Entwarnung!

Die nächsten paar Tage verbringen wir im South Luangwa National Park. Mit Tiere beobachten habe ich diesmal Pech und ausser einer Löwin gibt’s nichts Spektakuläres zu sehen. Dafür ist es heiss, sehr heiss sogar. Problemlos knackt die Quecksilbersäule die 40-Grad-Marke am Schatten und an der Sonne sinds nochmals 15 Grad mehr. Die Folgen: 24-Stunden-Schwitzen und ständiger Durst trotz 4-6 Liter trinken pro Tag. Danach geht’s weiter quer durch den Park. Auf abenteuerlichen, selten befahrenen Pisten ans Nordende des South Luangwa, an die Great North Road. Die Piste beginnt harmlos sandig mit 2-3 halbtrockenen Bächen, die zu durchqueren sind. Danach wird’s aber steil und steinig. Auf einem ausgewaschenen Track sind auf rund 10 Kilometer etwa 1000 Höhenmeter zu erklimmen. Wassermelonengrosse Steinbrocken bilden einen treppenartigen Aufstieg. Nun verstehe ich das Hinweisschild am Anfang der Piste mit der einfachen Ansage: Strictly 4×4 only! Im ersten Gang der Untersetzung fahre ich die Treppe hoch, das Taxi kommt an seine Grenzen. Aber alles geht gut. Bis zu dem einen grossen Stein, über den ich mit dem rechten Hinterrad abrutsche. Im nächsten Moment schlägts mir das Lenkrad aus der Hand, das Taxi macht einen Satz und sitzt neben der Strasse. Ein Rad ist noch auf der Strasse, eins im Gebüsch, eins im Strassengraben eingeklemmt und eins in der Luft. Es geht weder vorwärts noch rückwärts. Zum Glück sind meine deutschen Freunde noch mit mir und gemeinsam gelingt es uns, mithilfe von Hijack und einer Sandblech-Brücke über den Strassengraben, das Taxi wieder auf die Strasse zu bringen.

Im Norden Zambias wartet eine weitere Attraktion auf uns: Flughunde im Kasanka Park. Rund 8 Millionen Tiere leben in dem kleinen Park und verlassen zur Dämmerung ihre Nester, um zum Morgengrauen wieder zurückzukehren. Mit einer für Afrika ungewöhnlichen Pünktlichkeit ist es um 18.05 soweit und es scheint, als würden die Bäume Tiere ausspeien. Minuten später ist der Himmel bedeckt, egal in welche Richtung man schaut. Flughunde.

Die weitere Route führt nach Lusaka, der Hauptstadt Zambias, wo sich Ilona und Guido leider verabschieden. Ich nutze die Gelegenheit, um den Kühlschrank wieder mal aufzufüllen, zwei kurze Hosen zu kaufen und am Taxi die Spur einstellen zu lassen. Danach fahren wir weiter zum Karibasee an der Grenze zu Zimbabwe. Ellen, Lothar und ich wollen mit der Fähre den Karibasee überqueren. Zuerst ist aber auf der zambischen Seite nochmals ausspannen angesagt. Vier Tage Nichtstun am Seeufer, dann geht’s weiter in das Land, über das man so viel Negatives liest in der westlichen Presse: Zimbabwe.

 

Elefantenbesuch auf dem Campsite im South Luangwa Park

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Der Park bietet eine wildromantische Landschaft

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Gleich gehts im Konvoi auf sandigen Pisten durch den Park

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Beim steilen Aufstieg die Traktion verloren und neben der Strasse gelandet

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Wagen anheben …

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… und Sandbleche unter das Rad schieben

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Die Sandbleche verbiegen sich leicht, seither klappern sie beim Fahren dafür nicht mehr

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Geschafft, nach der 90-minütigen Rettungsaktion bei mehr als 50 Grad an der Sonne

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Millionen Flughunde im Kasanka-Park

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Abschiedsfoto, Ilona und Guido (rechts verlassen uns)

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Lusaka

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Perfekt ausgebaute Piste durch spannende Landschaften nach Zimbabwe

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Campsite direkt am Kariba-See

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Ich bin am Zambezi angelangt

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Ein Gedanke zu “Auf den steinigen Pisten Zambias

  1. Oh CRAZY MAN, ich bewundere deine Abenteuer! Aber zu dem Zeitpunkt, Merry Cristmas & Happy New Year und natürlich, dass du ans Ziel mit allen Rädern ankommst!
    Viele Grüße aus dem CH-Land!

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