Malawi, the warm heart of Africa

Frühmorgens am nächsten Tag starte ich in mein nächstes Abenteuer. Malawi. Die meisten Länder auf meiner Reise habe ich bereits früher einmal besucht, ab jetzt ist aber alles Neuland. Das Land ist vor allem bekannt für seinen unbeschreiblich schönen See, seine freundlichen Menschen und seine Armut. Es zählt zu den ärmsten der Welt. Zeitweise kommt es sogar vor, dass zu wenige Devisen zur Verfügung stehen, um Sprit auf dem Weltmarkt einzukaufen. Dies äussert sich dann an leeren Zapfsäulen und einem wuchernden Schwarzmarkt. Zurzeit soll die Lage aber gerade gut sein und Diesel überall erhältlich, mit knapp zwei Schweizer Franken pro Liter ist er aber nicht gerade ein Schnäppchen. Deshalb fülle ich kurz vor meiner Ausreise aus Tanzania noch beide Tanks derart voll auf, dass der letzte Liter im Erdreich der Tankstelle versickert.

Die Einreise nach Malawi läuft problemlos ab, bis auf den einen Grenzer. Zuerst will er in vollem Ernst, dass ich ihn adoptiere. Wenn er ein paar Jahre jünger wäre, würde ich es mir vielleicht überlegen, sage ich zu ihm, aber jetzt sei er leider zu alt für eine Adoption. Das versteht er dann auch, will aber nun, dass ich ihm eine weisse Freundin vermittle. Diese Flause hält sich etwas hartnäckiger in seinem Kopf und verzieht sich erst, als ich ihm entgegne, dass ein richtiger Mann seine Frau selber sucht. Nun hat er die Wahl, zuzugeben, dass er kein „richtiger“ Mann sei oder aber das Thema abzuhacken. Er entscheidet sich für Letzteres und wird nun etwas moderater mit seinen Forderungen. Zehn Dollar Trinkgeld (ca. 10% eines Monatsgehalts) sind es nun nur noch. Dafür, dass er seinen Job so gut mache und meinen Pass stemple. Ich habe aber längst selektives Hören eingeschaltet und gebe mir Mühe, ihn so gut wie möglich zu ignorieren. Schliesslich gibt’s den Stempel und ich darf durch. Ich bin in Malawi!

Dass Malawi eines der ärmsten Länder des Planeten ist, wird sofort ersichtlich. Während in Tanzania selbst in den Provinzstädten Autokolonnen und unzählige Motorradfahrer die Strassen verstopften, gehören die wenigen Strassen in Malawi ganz den Fussgängern. Hier wird der Warentransport noch von Hand, oder besser gesagt auf dem Kopf, durchgeführt. Körbe voller Früchte, Wasserkanister, Koffer, 50-Kg-Getreidesäcke oder Brennholz wandern auf den Köpfen der malawischen Frauen an ihren Bestimmungsort. Die Männer, die sieht man nur selten Lasten transportieren und wenn, dann geschieht dies mit dem Komfort eines Velos. Hauptsächlich haben die Männer jedoch wie in vielen afrikanischen Ländern Wichtigeres zu tun: Unter dem Baum sitzen und sich Geschichten erzählen.

Trotz der Armut habe ich hier – im Gegensatz zu den vom Pauschaltourismus verdorbenem Kenia und Tanzania – kaum je das Gefühl, abgezockt zu werden. Abgesehen von ein paar Kindern bettelt niemand. Auf dem Markt bezahle ich faire Preise für Zwiebeln und Tomaten und die Übernachtungen kosten für Ausländer nicht das Zehnfache. Das Land, das auch „The warm heart of Africa“ genannt wird, macht seinem Namen alle Ehre.

Schon bald nach der Einreise treffe ich Guido und Ilona aus Köln wieder, mit denen ich bereits in Tanzania ein paar Tage gereist bin. Am gleichen Tag erscheinen noch zwei weitere Deutsche, Lothar und Ellen aus Freiburg, auf dem malerischen Campsite. Die Gruppendynamik ist fantastisch und wir beschliessen, Malawi als Fünfergruppe in unseren drei Taxen zu bereisen.
Hauptattraktion in Malawi ist der Malawisee, der sich vom äussersten Norden über knapp 600 Kilometer bis fast ans Südende des Landes hinzieht. Obwohl es ein See ist, hat man eher das Gefühl an einem Meer zu sein. Das gegenüberliegende Ufer ist hinter dem Horizont versunken, die Wellen können über einen Meter hoch werden und die Sandstrände sind ausgedehnt.
Das feuchtwarme Klima des Sees zieht allerdings auch Tierchen aller Art an. Zweimal fällt eine Fruchtfliegenkolonie ein. Hunderttausende tummeln sich nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Campsite, im Restaurant und am Strand und fliegen in die Nasen, Augen, Ohren und natürlich auf den Teller. Zum Glück gibt’s beim Dinner nur Kerzenlicht. So werden die gut drei dutzend toten Eiweisslieferanten, welche nach dem Essen noch auf meinem Teller übrigbleiben, erst sichtbar als ich mit der Taschenlampe Klarheit schaffe.

An einem anderen Tag sorgt eine Schlange für etwas Abwechslung. Ein paar Meter von meinem Taxi fällt die Grüne Mamba mitten am Nachmittag vom Baum. Wäre Ellen einen Meter weiter rechts gesessen, wäre ihr die giftige Pracht direkt auf den Kopf gefallen. Schwierig zu sagen, wer verdutzter dreinschaut, ob Mensch oder Schlange, aber letztere macht sich in Windeseile aus dem Staub und verschwindet wieder – gut versteckt – auf dem Baum. Und wir, wir verschieben unsere Campingsessel unter einen anderen Baum. Einen, welcher hoffentlich von keiner Grünen Mamba bewohnt wird.

Abgesehen von den Insekten und Schlangen tritt noch eine andere, für mich sehr unerwartete Herausforderung auf: Der Krieg um die besten Campsites. Es beginnt die Zeit, wo nicht nur die europäischen Zugvögel, sondern viele nordische Reisende die afrikanische Wärme suchen. Die Anzahl Reisender mit eigenem Taxi oder einem anderen Reisemobil, meist vor Ort gemietet oder aus Europa nach Namibia oder Südafrika verschifft, nimmt explosionsartig zu. Während ich in Ägypten, Sudan oder Äthiopien höchstens 1-2 andere Reisefahrzeuge pro Monat gesehen, jeweils angehalten und ein halbstündiges Schwätzchen gehalten habe, treffe ich hier auf 1-2 andere Reisefahrzeuge pro Tag und eine kurze Betätigung der Lichthupe ist das höchste der Gefühle. Nun ja, diese Dichte führt bisweilen zu ausgebuchten oder überfüllten Campsites und manchmal auch zu dicker Luft.

In Malawi verbringe ich insgesamt etwa zwei Wochen, vor allem am See in Chintheche und Cape Maclear. Danach geht’s noch für eine Nacht in die Hauptstadt, nach Lilongwe, die wahrscheinlich unbekannteste Hauptstadt der Welt, die sich auch anfühlt wie ein grosses Dorf mit Wäldern, Wiesen und ohne richtiges Zentrum. Nicht einmal die sonst obligaten Mega-Staus gibts hier. Dafür gibt’s eine Filiale der südafrikanischen Supermarktkette Shoprite, einen Spar und einen gut ausgerüsteten Baumarkt. Ich komme näher ans Kap, die Versorgung wird besser! Nachdem der Kühlschrank wieder überquillt, geht’s am nächsten Tag zur Grenze. Nach Zambia.

 

In Malawi sind die meisten Menschen zu Fuss unterwegs

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Livingstonia – 1000 Meter über dem See. Hinter dem Auto gehts fast senkrecht runter

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Die historische Livingstonia Mission, ein Stück England in Afrika in Erinnerung an David Livingstone

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Aussicht vom Kirchturm

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Natürlich fehlt auch der obligate Clock Tower nicht

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Der Rückweg bietet eine spektakuläre Aussicht über den Malawisee

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Nach links gehts in die Schweiz

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Der See mit seinen malerischen Buchten und Stränden

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Auch über die Campsites kann man sich nicht beklagen

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Es gibt wieder mal Essen aus der Buschküche

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Lodge-Schilderwald bei Cape Maclear, Malawi’s Touristenmagnet

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Was immer so kreucht und fleucht

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Wohlfühl-Campsite am Cape Maclear (Eagels Nest)

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Auf dem See sind die Fischadler aktiv. Dieser hier hat gerade etwas gefangen …

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… und die Beute muss in Sicherheit gebracht werden

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Die einheimischen sind im Einbau unterwegs …

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… während wir doch den Katamaran bevorzugen

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Eindrücke aus Cape Maclear, wo wir eine Dorfbesichtigung machen

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Die lokale Schreinerei

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Die älteste Frau im Dorf

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Das Gemüse macht gluschtig

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Mango- und Holzkohleshop

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Natürlich darf auch die Disco nicht fehlen, welche jede Nacht das ganze Dorf beschallt

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Pink home

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Dann besichtigen wir eine Schule. Der Krieg, wer auf die Photos darf, hat begonnen

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Klassenzimmer

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No privacy

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Cape Maclear lebt vor allem von der Fischerei

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Männer können sich hier links beschneiden lassen :-)

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Ein Gedanke zu “Malawi, the warm heart of Africa

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