In den unberührten Südwesten Tanzanias

Zurück in Daressalam fülle ich Geld- und Nahrungsmittelreserven auf. Der Kühlschrank quillt über mit Joghurt, Fleisch und Käse. Auch Sushi gehe ich nochmals essen. Im wilden Westen Tanzanias gibt’s nicht mehr viel zu kaufen und in dem bitterarmen Malawi bin ich mir über die Versorgungslage auch nicht so ganz im Klaren. Dann aber geht’s endlich los. Ich sage dem Ozean Goodbye – das nächste Mal Meer gibt’s wohl erst wieder in ein paar Monaten in Namibia – und fahre Richtung Hochland. Bereits nach ein paar Stunden Fahrt verändert sich das Klima. Von heiss und feucht wirds erstmals noch heisser aber trocken, bevor es dann nach ein paar Tagen richtig kalt werden soll.

Die gute Asphaltstrasse führt aus Daressalam raus Richtung Mikumi, meinem ersten Stopp. Die Strasse erinnert mich an die Addis-Djibouti-Strasse: Hunderte von LKWs. Diesmal ist es Malawi und Teile von Sambia und der Demokratischen Republik Kongo, die auf der Strasse versorgt werden. Und wo’s viele Autos gibt, findet man natürlich auch wieder die berüchtigten Radarpistolen. Ich erfahre, dass diese ein Geschenk Deutschlands an Tanzania waren. Dass damit nur die Korruption der Polizei gefördert wird und niemand ernsthaft eine Busse bezahlt, haben die Sesselfurzer in Berlin wohl nicht erahnt. Und dass man konsequenterweise zu den Radarpistolen auch einen Satz Geschwindigkeitstafeln hätte spenden sollen, damit die Höchstgeschwindigkeit überhaupt signalisiert werden kann – nein, daran hat auch niemand gedacht.  Nun ja, für mich hats diesmal keine Konsequenzen. Nur einmal wollte man mich wieder büssen. Ich beschliesse jedoch, dass eine Aufforderung zum Anhalten nur gültig ist, wenn sie korrekt auf der Fahrbahn erfolgt. Ein Winken unter dem Baum hervor gilt nicht und ich ignoriere die faule Truppe. Ein anderes Mal bin ich zwar nicht zu schnell unterwegs, dafür werden alle Papiere kontrolliert, inklusive Echtheit des Nummernschilds. Für mich die Feuertaufe, habe ich doch mein Taxi in der Schweiz abgemeldet und fahre seit Nairobi mit einem selbstgebastelten Kennzeichen herum. Aber das hier ist Afrika. Das stört hier niemanden.

In Mikumi erreiche ich die TanSwiss Lodge. Josef aus Muotathal lebt hier seit mehr als einem Jahrzehnt und hat ein schönes Anwesen mit einem leckeren Restaurant aufgebaut, in dem es nebst Zürigschnätzlets auch Älplermagronen und Hörnli mit Ghacktem gibt. Yummi!

Als nächstes steht der Ruaha Nationalpark auf dem Programm. An einem fabelhaft gelegenen Campsite (Public Campsite #1) verbringe ich drei Tage im Park. Der Campsite ist direkt am Fluss gelegen. Am Morgen früh unternehme ich jeweils einen Gamedrive, während ich den ganzen Nachmittag in meinem bequemen Campingsessel sitze und mit den anderen Overlandern den Elefantenherden, Giraffen und Hippos zuschaue, welche in nicht einmal fünfzig Metern Distanz friedlich grasen. Einen spektakuläreren Blick auf die Tierwelt kann man sich kaum wünschen. Nachts hört man dann die Tiere ums Camp schleichen, welche am Tag nicht ganz so einfach zu erspähen sind: Löwen, Hyänen und Hippos welche die Gewässer bei Dunkelheit verlassen.
Danach geht’s weiter nach Westen und auch nach oben. Auf fast 1800 Metern über Meer ist der nächste Stopp, die Kisolanza Farm. Tagsüber wirds kaum wärmer als 20 Grad und nachts kühlts in den einstelligen Bereich ab. Die kurzen Hosten werden in die Kleiderbox verbannt und abends ums Lagerfeuer ist der Faserpelz Pflicht. Hier werde ich auch zum zweiten Mal auf dieser Reise krank. Und nein, es ist auch diesmal keine Malaria, Durchfall oder Ebola (was es ja in Ostafrika zum Glück noch nicht gibt). Es ist wieder eine simple, aus Europa eingeschleppte Erkältung. Zum Glück gibt’s auf der Kisolanza-Farm fantastisches, sterneverdächtiges Essen, was meinen krankheitsbedingten dreitätigen Stopp etwas versüsst.

Nun steht ein einwöchiger Abstecher zum abgelegenen Tanganija-See an. Morgens um 7 Uhr verlasse ich Mbeya in Richtung des fast 500Km entfernten Sees. Die ersten 300 Km sind nagelneue Teerstrasse, finanziert von den „American People“. Nun werden die Bewohner, durch deren Dörfer die Strasse führt, nicht mehr von den sandaufwirbelnden LKWs eingenebelt, wenn sie tagelang unter dem Baum sitzen und sich gegenseitig Geschichten erzählen. Die letzten 200Km sind dann nur noch Feldwege. Mittendrin komme ich in einen starken Regen und das Taxi wird einmal mehr von oben bis unten mit einem braunen Überzug verziert.

Der Tanganjika-See ist eigentlich eher ein kleines Meer. Flächenmässig ist er fast so gross wie die Schweiz und durch seine enorme Tiefe sollen dort fast 20% des weltweiten Süsswassers gespeichert sein. Der See selber liegt auf nur 700 Metern und wird durch eine 1000 Meter höhere Bergkette umgeben. Dies führt zu dem faszinierenden Phänomen, dass es täglich von morgens bis abends blitzt und donnert, ohne dass ein Tropfen Regen fallen würde.

Nach fünf wirklich erholsamen Tagen am See fahre ich wieder zurück in die Höhe und damit in die Kälte, zurück nach Mbeya. In dieser letzten grösseren Stadt im Südwesten Tanzanias kaufe ich nochmals so viel wie möglich ein und freue mich auf mein nächstes Reiseziel: Malawi.

 

Schnurgerade Strasse aus Daressalam heraus

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Palmölplantage

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Ein Stück Schweiz in Tanzania

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Die Strasse ins Hochland ist sehr malerisch und führt mitunter durch bizarre „Wälder“

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Mächtiger Baumstamm

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Einkaufen für die kommenden Tage in den Nationalparks

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Empfehlenswerte Stopps: Mikumi und Ruaha Nationalpark

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Die Parks haben auch landschaftlich etwas zu bieten

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Körperpflege

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Weiter Richtung Tanganjika-See. Noch ist die Strasse perfekt …

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… weil die American People kräftig investiert haben

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Später siehts dann so aus

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Aber dann wirds wenigstens wieder trocken

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Campsite am Lake Tanganjika

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Die Hühner, die auf dem Campsite frei herumlaufen, suchen überall nach Essbarem

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Eindrücke aus Tanzania

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Gebrauchte Ersatzteile – kein Wunder dass viele Kisten stecken bleiben

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Möbelhaus

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Schlafen im Container?

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Kein Auto, das nicht irgendwie bemalt ist

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Zu spät gebremst

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Lieblingsbeschäftigung vieler Tanzanier

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2 Gedanken zu “In den unberührten Südwesten Tanzanias

  1. Mir reichts jetzt, dank deiner schönen Bilder bin ich krank geworden. Die Krankheit heisst Fernweh!!
    Ich komme jetzt nach, vielleicht sehen wir uns zufällig im südl. Teil von Afrika.
    Liebe Grüsse, Günther

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