Die Swahili-Küste rauf und runter

Der feine, weisse Sandstrand Zanzibars macht einfach Lust auf mehr. Allerdings kann ich das Taxi, welches während meiner Zeit auf der Insel geduldig in Daressalam wartet, nicht wochenlang auf dem gut bewachten Parkplatz des Serena-Hotels stehen lassen und so geht’s nach einer Woche Zanzibar wieder zurück aufs Festland.

Ich muss mal wieder meinen Kühlschrank auffüllen, dem Taxi einen Ölwechsel gönnen und mich ums Malawi-Visum kümmern. Dies ist der eine Grund warum mich die Hafenstadt fast eine Woche lang festhält. Die zeitfressenden Megastaus auf den hoffnungslos verstopften Hauptverkehrsachsen sind der andere. Für mich und viele andere ein Grund, auf die unbefestigten Quartierstrassen auszuweichen. Und diese sind in einem bedenklichen Zustand. Während ich bisher vor allem Schlaglöcher erlebt habe, gibt’s hier ganze Krater. Bei dem tagelangen tropischen Dauerregen, der hier gerade herrscht, füllen die sich dann zu kleinen Seen und die vielen Kleinwagen versinken darin bis zum Kühlergrill. Das Taxi hat damit weniger Probleme, bis auf den einen Krater, der auf der linken Seite etwas tiefer ist als angenommen… Das Taxi neigt sich gefährlich zur Seite und nur mit einem kurzzeitigen Vollgas komme ich wieder heraus. Die braune Kratersauce spritzt durchs offene Fenster und ich bin mir ganz sicher, dass mein Gesicht ausschaut wie nach einem Schlammbad. Zeit, das Sumpfgebiet Daressalam zu verlassen …

Die nächsten Tage sind dann sehr entspannt. Ich fahre nach Norden, zum ehemaligen deutschen Hafenort Bagamoyo und weiter ins Nordosttanzanische Tanga. Kilometerlanger weisser Sandstrand und ein Campsite direkt am Meer. So lässt sichs leben. Ich fahre noch weiter nördlich, wieder nach Kenia, nach Mombasa und Malindi. Am Küstenstreifen Kenias reiht sich Hotel an Hotel und Villa an Villa. Nur weisse Urlauber sieht man keine, wenn man von ein paar Rentnern absieht, die es sich hier für den Rest ihres Lebens und in Begleitung eines halb so alten einheimischen Lebenspartners des jeweils anderen Geschlechts gemütlich gemacht haben. Die luxuriösesten Resorts und kein einziger Gast. Es ist ein trauriger Anblick. Viele Anlagen sind geschlossen und einige sind bereits am Zerfallen. Dass es sich bei den Einheimischen grösstenteils nicht unbedingt um die fleissigsten Menschen auf diesem Planeten handelt, hilft auch nicht zur Entschärfung dieser Wirtschaftsmisere.

Die Touristenflaute ist für mich natürlich ein Vorteil. Die Preise sind gepurzelt und ich übernachte in wirklich schönen Anlagen zu dem Preis, den ich anderswo fürs Campen zahle. Wer nun denkt, dass mangels Nachfrage auch der Preis für Bananen, holzgeschnitzte Elefanten und Taxifahrten attraktiv ist, der irrt sich. Nein, gemäss der Anbieterlogik müssen nun die wenigen verbliebenen Touristen mehr für die Services bezahlen und die Einkommensverluste kompensieren. Und so wird abgesehen von den Hotels vieles hier teurer. Adam Smith würde sich wohl im Grabe umdrehen …

Der eine Grund für das Fernbleiben der Touris ist wohl die Al Shabab, für mich auch ein Grund, nicht weiter nördlich als bis nach Malindi zu fahren, die letzte „sichere“ Bastion vor der somalischen Grenze. Der andere ist wohl Ebola. Bei diesem zweiten Grund muss ich mal wieder ob der Ignoranz meiner weissen „Stammesgenossen“ aus Europa die Stirn runzeln. Besonders weil ich in letzter Zeit wiederholt besorgte Nachfragen bezüglich Ebola erhalten habe. Liebe Freunde, herzlichen Dank an alle, die mir gutgemeinte Nachrichten und Kommentare senden, dass ich doch vor Ebola aufpassen soll. Das ist wirklich lieb, aber total unnötig. Afrika ist kein Land, sondern ein Kontinent mit 54 Ländern. Und ein Grosser noch dazu. 730 mal grösser als die Schweiz und 85 mal grösser als Deutschland. Nun gibts in ein paar Ländern, ganz im Westen dieses Kontinents eine Epidemie. Und ich bin ganz im Osten und in einem ganz anderen Land. In einem Land, in dem es noch keinen einzigen Ebola-Fall gibt. Die Hauptstadt Liberias, dem Epizentrum der Epidemie, liegt nur 4970KM Luftlinie von Zürich entfernt, jedoch 5760KM von wo ich grad bin. Sich in Ostafrika derzeit Sorgen wegen Ebola zu machen ist etwa so absurd wie in der Schweiz die Luftschutzkeller aufzusuchen weil in der Ostukraine gerade Krieg herrscht :-)

Die Swahili-Küste Kenias und Tanzanias ist bisher das Multikulturellste, was ich in Afrika erlebt habe. Besonders die grossen Städte Daressalam, Mombasa und Malindi sind ein Gemisch aus der afrikanischen Urbevölkerung, arabischen Händlern, indischen Investoren, italienischen Pizzabäckern, chinesischen Strassenbauern, rastabehängten Volontären, britischen Exkonolisten und weissen Aussteigern. Entsprechend vielfältig ist das Spektrum der vorhandenen Hautfarben, das kulinarische Angebot und das generelle Strassenbild.

Nach meiner schönen, relaxten Zeit des Nichtstuns an der kenianischen und tanzanischen Küste fahre ich wieder zurück nach Daressalam. Ausgangspunkt für die Weiterreise in den Südwesten Tanzanias und dann weiter nach Malawi.

 

Mombasa – Bunt und chaotisch

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Palmölplantagen bei Mombasa

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Caramel aus der Buschküche :-)

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Die Strände sind auch hier gar nicht so schlecht …

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Fantastische, halbleere Anlagen

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Das Fort Jesus in Mombasa trägt deutlich die portugiesische Handschrift

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Afrikanische Disziplin

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2 Gedanken zu “Die Swahili-Küste rauf und runter

  1. Hoi Lukas,
    nehme mir heute Abend endlich einmal richtig Zeit, alle deine Berichte und die vielen tollen Aufnahmen und Begleittexte durchzulesen. Einmal mehr bin ich total beeindruckt, was du bisher erlebt, geschafft und hinterlassen hast. Ich wünsche mir, dass du auch den restlichen Abschnitt deiner unvergesslichen Reise vom Norden in den Süden Afrikas gesund und fit überstehen wirst.

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