Auf nach Kairo und dann ab in die Wüste

Obwohl mich das tägliche 24-Stunden-Hupkonzert in Ras El Bar beim Schlafen etwas gehindert hat, stehe ich heute früh auf. Schliesslich geht’s heute nach Kairo. Mein GPS zeigt mir die Strecke mit 211 KM an. Eine Autobahn im europäischen Sinne gibt’s nicht und aus Erfahrung weiss ich, dass dann die Durchschnittsgeschwindigkeit nur etwa 40-50 KM/h beträgt.

Ich verstaue noch die restlichen Sachen in meinem Auto und will losfahren, als der Receptionist des gegenüberliegenden Hotels angerannt kommt und mich auf eine Tasse Tee einlädt. Dies ist die für Ägypten typische Gastfreundschaft und ich nehme an. Er erzählt, dass er diesen Job nur nebenbei mache und eigentlich an der Universität „Navigation“ studiere. Er will also einmal Schiffskapitän werden. Nächstes Mal wenn ich nach Ägypten komme, so meint er, solle ich dann gratis auf seinem Schiff mitfahren. Hier, ausserhalb des Hafens, erlebe ich mit dieser Freundlichkeit den Kontrast der gierigen Korruption innerhalb des Hafens.

Dann wird getankt, denn mit dem letzten Tropfen bin ich aus dem Dieselhochpreisland Türkei aufs Schiff gerollt. Und hier, in Ägypten, tanke ich 200 Liter, was dann rund 25 Franken kostet :-) Danach geht’s los. Obwohl ich mich in der Schweiz als guten Autofahrer bezeichnen würde, habe ich Mühe, mit dem Verkehr hier mitzukommen. Es erfordert meine vollste Konzentration, um in dem Chaos meinen Weg zu finden. Gefahren wird, wo es Platz hat. Und auf den Strassen ist alles, was Räder oder Füsse hat: Auto’s, Menschen, Reisebusse, Eselskarren, Lastwagen, Kamele, Hunde, Tuk-Tuks, Pferde, Motorräder, Schafe, etc. Mit der Zeit verstehe ich dann auch die lokalen Verkehrsregeln, die ungefähr so lauten:

  • Das grössere Fahrzeug hat Vortritt
  • Wenn zwei Fahrzeuge gleich gross sind, dann hat der frechere Fahrer Vortritt
  • Einmal oder mehrmals kurz Hupen: Ich bin rechts oder links neben dir und werde gleich überholen
  • Kurz zurückhupen: Quittieren (Habe gehört dass Du da bist)
  • Lang Hupen: Achtung Gefahr
  • Dauerhaftes Kurzhupen: Ich habs eilig, macht mir Platz
  • Lichthupen: Achtung, ich überhole und benötige dazu auch deine Fahrbahn, also bitte verdrücke dich ganz an den Rand deiner Fahrbahn (oder auch mit zwei Rädern auf den Standstreifen)
  • Wiederholtes Lichthupen: Achtung, ich komme dir auf der falschen Seite entgegen und werde dich auch auf der falschen Seite kreuzen, also bitte weiche zur Mitte der Fahrbahn aus.

Nach ca. 5 Stunden erreiche ich dann Kairo, wo ich die nächsten paar Tage auf dem Isis Garden Camp verbringe. Irgendwie habe ich mich ans Nichtstun gewöhnt und alles was ich mache dauert bereits etwas länger als gewöhnlich… Frühzeitiger Rentnereffekt? ;-)

In Kairo versuche ich erfolglos, das sudanesische Visum zu erhalten. Die sudanesische Botschaft in Kairo würde das Visum zwar ohne grossen bürokratischen Aufwand ausstellen und verlangt dazu einzig ein Schreiben von der Schweizer Botschaft. Diese weigert sich jedoch, das Schreiben auszustellen, da sie meint, die sudanesische Botschaft in Kairo sei für mich nicht zuständig, ich hätte das Visum (vor Abreise) in Genf besorgen sollen (was leider auch nicht geht, da das Visum eine Gültigkeit von nur 4 Wochen ab Ausstellungsdatum hat und deshalb zum Zeitpunkt der Einreise bereits abgelaufen wäre). Das Visum soll jedoch auch in Aswan ohne besagtes Schreiben erhältlich sein, aber lieber wäre ich auf Nummer Sicher gegangen und hätte mich nicht auf diese (vage) Information verlassen. Nun mache ich also einmal mehr die Erfahrung, dass die Schweizer Botschaft im Bedarfsfall keine grosse Hilfe bietet…

Kairo habe ich bereits 2008 besucht, weswegen ich keine grosse Sightseeing-Tour mache. Ich besuche nur noch einmal die Pyramiden. Dort treffe ich auf Dany und Jean-Claude aus Frankreich, die auch mit einem Buschtaxi seit zwei Jahren in umgekehrter Richtung in Afrika unterwegs sind.

Für die nächsten Tage geht’s dann mit Reda, einem einheimischen Beduinen-Guide in die Wüste. Hier mache ich unglaubliche Erfahrungen: Die Wüste ist genauso abwechslungsreich wie die Berge zuhause und besteht keineswegs nur aus sandigen Dünen und öden Gesteinsflächen, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Es gibt dort surreale Skulpturen, Sand in den verschiedensten Farben un Formen, vom Wind geschliffene Steine und Wüstenberge, welche mit ihren sandbedeckten, unberührten Steilhängen fast so aussehen wie ein frisch verschneiter Berg in den Alpen. Dazwischen kommen immer wieder Sanddünen, welche vom schwer beladenen Taxi mit seinem eher schwachen Motor (130 PS) manchmal kaum zu bewältigen sind. Aber es läuft alles gut und wir stecken nur etwa fünf Mal fest und kommen jedesmal ohne Sandbleche wieder heraus. Ein Beeindruckendes Erlebnis ist zudem das Übernachten in der Wüste, fernab von Lichtsmog und Zivilisationslärm.

Ich könnte ohne Weiteres noch ein paar Tage hier bleiben, aber ich muss langsam weiter Richtung Süden, denn auf dem Plan stehen noch die Sehenswürdigkeiten in Luxor und Aswan, bevors dann auf die Fähre in den Sudan geht.

 

Isis Garden Camp in Cairo

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Verpflegung aus der „Buschküche“

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Und der obligate Besuch bei den Pyramiden

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Auf dem Weg in die Wüste

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Eden Camp in der Oase Al Baharyia

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In der Wüste

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7 Gedanken zu “Auf nach Kairo und dann ab in die Wüste

  1. Hallo Lukas

    Das sieht ja grossartig aus, echt cool. Deine Erfahrungen mit den Schweizer Botschaften teile ich ganz und gar, gehört zu einem der dunkelsten Kapitel meines Lebens. Habe bisher nur einen getroffen der sehr ok ist ,aber sonst oft eine selbstverliebte Servicewüste wo lieber die Empfänge der anderen Botschafter besuchet werden als Staatsangehörigen zu helfen.

    Wünsche dir viel Spass beim Weiterreisen!

    Jürgen

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