Auf der Fähre: Iskendurun nach Damietta

Heute schlafe ich aus. Ich muss erst um 10 Uhr im Hafen sein und das Fährticket lösen. Kurz vor 10 bin ich da und treffe auf zwei Deutsche, David und Thomas, die von Augsburg nach Südafrika unterwegs sind und auch auf der Fähre reisen. Welch eine Überraschung! Ich hätte nicht gedacht, bereits hier in der Türkei auf andere Overlanders zu treffen. Gegen die LKWs der beiden sieht mein Taxi ein bisschen wie ein Kleinwagen aus…

Der Hafen ist recht übersichtlich und gut organisiert. Das LKW-Terminal wurde erst neu gebaut und ist noch nicht fertig. Früher fuhren die LKWs einfach durch Syrien durch, eine Fähre war nicht nötig. Heute ist dies leider anders. Rund 160 LKWs stehen auf einem riesigen Platz bereit, um auf die Fähre zu kommen. Die meisten sind türkische Laster und wollen nach Israel, Ägypten, Jordanien, Saudi Arabien oder nach Dubai. Einige haben Kühlaggregate angeschlossen, welche die ganze Zeit laufen (und später auch auf der Fähre). Mir kommen die Orangen in den Sinn, welche es bei uns in der Migros mit der Herkunft „Türkei“ oder „Israel“ zu kaufen gibt… Ob die wohl genau diesen Weg in umgekehrter Richtung machen?

Das Fährticket fürs Taxi ist schnell gebucht. Noch ist ungewiss, ob ich mit auf die Fähre kann oder doch mit dem Flugzeug fliegen muss. Denn alle Kabinen sind bereits reserviert. Dann heisst es zuerst mal warten und warten…
Um 14.00 kommen dann mal die Zollbeamten vorbei. Ins Auto wollen sie nicht schauen, nur ein bisschen plaudern und ein paar Witze machen… Obs wohl an den 60 USD „Zollgebühr“ liegt, die jeder von uns – auf Geheiss des Fähragenten – in den Pass gesteckt hat?
Um 15.00 kommt langsam Bewegung in die Sache. Die ersten LKWs gehen an Bord der riesigen Fähre, welche sich über vier Ladedecks erstreckt. Es dauert einige Zeit, bis die ca. 100 Lastwagen, welche vor uns verladen werden, auch wirklich an Bord, geparkt und die Zugfahrzeuge entkoppelt und wieder von Bord sind. So können wir unsere Reisemobile erst gegen 20.00 verladen. Und zwischenzeitlich kommt auch die gute Nachricht: Ich darf auf dem Schiff mitreisen. Ich bin erleichtert.
Nach uns werden nochmals ca. 60 LKWs verladen und Punkt 01.30 am Sonntag morgen legt die Fähre ab. An Bord sind wir in Zweierkabinen untergebracht, die recht komfortabel sind. Aber nebst schlafen und lesen kann man kaum etwas an Bord tun.  So hole ich den verpassten Schlafe der anstrengenden Fahrtage nach.

Nach ca. 20 Stunden erreichen wir Haifa, wo einige Laster von Bord gehen und dafür ein paar neue dazu kommen. Dann geht’s Punkt 01.30 wieder los Richtung Ägypten. Dort kommen wir auch am anderen Tag um ca. 13.00 an. Aber es wird uns mitgeteilt, dass unser Liegeplatz am Hafen erst um 22.00 angefahren werden kann. Also liegen wir 20 Km vor der Küste vor Anker und warten und warten…

Um ca. 01.00 werden dann die Motoren wieder gestartet und um ca. 02.30 legen wir wirklich an… Das Entladen dauert natürlich wieder mehrere Stunden. Aber wir haben Glück: Mit meinem wendigen Taxi komme ich zwischen den grossen LKWs durch und rolle schon nach 5 Minuten von Bord. David und Thomas kommen etwas später nach. Dann werden unsere Wagen durchsucht. Der Drogenhund schnüffelt den Wagen ab. Dann müssen wir den Pass an zwei Männer in Zivil abgeben, welche versprechen, für uns ein Visum zu besorgen. Hier in Damietta läuft nichts offiziell, dafür alles unter der Hand, über einen Schlepper, Schleuser, Agenten oder sonstigen „Vermittler“. Und keiner trägt Uniform, auch nicht die Zollbeamten. Aber wir erhalten nach 45 Minuten unsere gestempelten Pässe wieder. Trotzdem bleibt ein komischer Beigeschmack von dem Hafen, über dessen Korruption ich so viel gelesen habe und welcher deshalb und wegen der unsäglichen Bürokratie von vielen Reisenden gemieden wird. Danach fahren wir zur Zollhalle und unsere Wagen werden erstmals eingeschlossen. Um ca. 05.45 sind wir dann endlich im Hotel. Am nächsten Tag werden wir versuchen, die Wagen frei zu bekommen. Dies wird eine der grossen Herausforderungen der Reise werden, sind doch die meisten Reiseberichte über diesen Hafen negativ und es soll schon vorgekommen sein, dass Reisende ihr Fahrzeug gar nicht mehr freibekommen haben oder es wieder zurück in die Türkei schiffen mussten….

 

Riesige LKW-Fähre

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Thomas und David sind auch auf dem Weg nach Südafrika

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Die Kabinen auf der Fähre sind recht geräumig…

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… aber manchmal kommt trotzdem Knast-Feeling auf

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Auf hoher See

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Irgendwo zwischen den unzähligen LKWs ist auch mein Taxi versteckt, das kleinste Gefährt an Bord

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Einfahrt in den Hafen von Damietta… Es gibt zahlreiche grössere Schiffe im Hafen

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Die LKWs, welche zurück in die Türkei wollen, stehen schon bereit, in Reih und Glied

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10 Gedanken zu “Auf der Fähre: Iskendurun nach Damietta

  1. Das sind tolle Neuigkeiten, das man mit etwas Vorbereitung auch Mitreisen kann!

    Darf ich einige Bilder verwenden für einen Blogbeitrag über die Fähre, und dabei auch deinen Reiseblog vorstellen?

    Weiterhin eine tolle Reise – ich denke mit dem Hafen hast Du die zeitfressensten Momente hinter Dir :-)

    Gruss, Stefan

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  2. tachchen,
    ich plane gerade meine pilgerreise nach israel. da syrien durchlaufen nun leider nicht mehr in frage kommt und ich langsam keine nerven nmehr habe, um weiter nach ner fähre zu suchen, hab ich mich sehr gefreut, dass ich auf deinen blog gestoßen bin. vielleicht kannst du mir weiterhelfen.
    an welchem tag fährt denn die fähre immer, was kostet sie und wo bekomm ich n ticket her?
    die seite von sissashipping führ ins leere und auch sonst fühlte ich mich beim suchen bisher stets fehlgeleitet.
    ich würde mich sehr freuen, wenn du mir weiterhelfen könntest.
    liebe grüße aus leipzig,
    tom

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    • Laut diversen Meldungen ist der Status der „unroror“ Fähre unklar, die Lukas verwendet hatte.. Aber es gibt eine neue Fähre die anscheinend regelmässig verkehrt. Diese ist in meinem Profil/Blog verlinkt

      Stefan

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  3. Pingback: Horizons Unlimited - The HUBB

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